Achtsamkeit: Wissenschaftliche Studien

Kaum eine andere Methode zur Stressbewältigung wurde in der jüngsten Vergangenheit so intensiv untersucht und erforscht wurde wie das Achtsamkeitstraining MBSR. Mittlerweile gibt es Forschungsergebnisse aus über 100 Studien, die zeigen, dass MBSR positive Effekte auf eine ganze Reihe von Faktoren hat. Erfahren Sie hier mehr über die Ergebnisse!

Beweise: Achtsamkeit und wissenschaftliche Studien

Es gibt zahlreiche Stressbewältigungsprogramme. Doch keines bekam in den vergangenen Jahren so viel Aufmerksamkeit wie das von Jon Kabat-Zinn entwickelte MBSR-Programm (Mindfulness-Based Stress Reduction = Achtsamkeitsbasierte Stressbewältigung). Vom ersten Kurs an wurden die Effekte untersucht und geprüft. Heute zeigen über 100 wissenschaftliche Studien, dass MBSR und die dadurch gestärkte Achtsamkeit Kompetenzen im Umgang mit Stress stärken und sich positiv auf die psychische Widerstandsfähigkeit (Resilienz) auswirken. Teilnehmer berichten nach dem achtwöchigen Programm über gestärktes Selbstvertrauen, mehr Gelassenheit und neue Lebensfreude. Der Blick auf viele Dinge in Ihrem Leben habe sich verändert. Wird das Training konsequent durchgeführt und Achtsamkeit/Meditation nachhaltig in den Alltag integriert, dann trägt dieses zu mehr Wohlbefinden durch einen konstruktiveren Umgang mit Stress bei, und zwar dauerhaft.

Weitere Bereiche, in dem Veränderungen erkennbar sind, ist die Wahrnehmung des eigenen Körpers, die emotionale Kompetenz und der Blick auf das eigene Selbst. Im Laufe des Meditationskurses konnten Forscher feststellen, dass sich die Hirnstruktur durch das regelmäßige Training umorganisiert. In der linken und rechten Hemisphäre verdichtet sich die graue Substanz, was mit einer Steigerung der Lern- und Gedächtnisprozesse zusammenhängen könnte. Gleichzeitig wird im medialen Abschnitt des Temporallappens, ebenfalls ein Teil des Limbischen Systems, die Dichte der grauen Substanz verringert. Diese Ergebnisse konnten Forscher anhand von Magnetresonanz-Untersuchungen feststellen.1 Durch MBSR kann sich dieses an der Angst- und Stressbewältigung beteiligte System transformieren. Den Beweis dafür fanden Teams aus Wissenschaftlern an der Universität Gießen, des Massachusetts General Hospital und der Harvard Medical School in Boston, USA.

Weitere gesundheitliche Wirkungsfelder

Doch damit nicht genug, denn Achtsamkeit kann laut wissenschaftlicher Studien noch viel mehr. Neben positiven Effekten bei stressbezogenen Erkrankungen zeigen sich Verbesserungen bei Angststörungen, Depressionen, Substanzabhängigkeit und Essstörungen. Selbst in Bezug auf Aufmerksamkeitsdefizit Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) gibt es bereits Pilotstudien, die Achtsamkeit in diesem Zusammenhang untersuchen. Dabei konnten Forscher erste positive Effekte vorweisen.

MBSR und Achtsamkeit wurden in wissenschaftlichen Studien außerdem auf körperlicher Empfindungsebene untersucht. In Schmerzstudien zeigten sich signifikante Verbesserungen in der Wahrnehmung und Verarbeitung von Schmerzen. Insbesondere bei chronischen Schmerzen, die als selbstständige Krankheit den Betroffenen großes Leiden zufügen, schlägt das Achtsamkeitstraining nachweislich gut an. Außerdem kann es auch bei Krebspatienten als unterstützende Maßnahme positive Wirkung zeigen.
Nicht zuletzt wird im körperlichen Bereich beispielsweise eine verbesserte Funktion des Immunsystems nachgewiesen, dazu reduzierte Blutdruckwerte und Kortisollevel als auch eine erhöhte Telomeraseaktivität. Dabei wird verstärkt ein Enzym produziert, das für die Jungerhaltung der Zellen wichtig ist.

Die bislang untersuchten Krankheitsfelder, auf welche MBSR positiv wirkt, weiten sich mittlerweile aus auf:

  • Stress und Burnout
  • Depressionen, insbesondere zur Nachbehandlung
  • Emotionsregulation zur Prävention psychischer Erkrankungen
  • psychischsomatische Erkrankungen
  • chronischen Schmerzen
  • Hauterkrankungen
  • Krebs
  • Immunschwäche
  • Suchterkrankungen

Zum Nachschlagen: Forschungsergebnisse und Studien

Was hat die Wissenschaft zu Achtsamkeit zu sagenNatürlich gibt es auch weitere Formen des Achtsamkeitstrainings. Der Vorteil von MBSR (und daher wurde es auch umfassend wissenschaftlich untersucht) besteht in der Standardisierung. MBSR Kurse folgen alle dem gleichen Lehrplan. Folglich lassen sich die Studienergebnisse gut vergleichen. Im Jahre 1982 wurden die ersten offiziell anerkannten Ergebnisse in den USA veröffentlicht. Darauf folgten viele weitere Studien über den Erdball verteilt, die mittlerweile hundert an der Zahl weit überschreien. Wer sich tiefer einlesen möchte, dem steht ein Datenpool, bekannt als der Mindfulness Research Guide, zur Verfügung. Dort finden sich unter dem Herausgeber David Black alle aktuellen Studien und Nachweise aus aller Welt. Adressaten sind sowohl Praktizierende und MBSR-Lehrer als auch Wissenschaftler. Weitere Links zu Achtsamkeit, wissenschaftlichen Studien und vertiefenden Forschungsergebnissen finden Sie hier.

Kritik aus wissenschaftlicher Sicht: Achtsamkeit in Langzeitstudien

Der Nutzen der achtsamkeitsbasierten Stressbewältigung ist heute nicht mehr wegzudiskutieren. Das einzige Manko, das an dieser Stelle erwähnt werden kann, sind die noch mangelnden Ergebnisse auf lange Sicht. Da die Patienten meist nur über einen begrenzten Zeitraum beobachtet werden, fehlt eine wissenschaftlich fundierte Aussage hinsichtlich der langfristigen Wirkung. Allerdings ist anhand unzähliger Praxisbeispiele eines unumstritten: Jeder der konsequent meditiert, profitiert davon. Ein MBSR Kurs kann eine Initialzündung bewirken. Es liegt dann an jedem Meditierenden selbst, diesen Impuls aufzunehmen und eine dauerhafte Veränderung herbeizuführen.

1 Hölzel, B.K., Carmody, J., Vangel, M., Congleton, C., Yerramsetti, S.M., Gard, T., & Lazar, S.W. (2011): Mindfulness practice leads to increases in regional brain gray matter density. Psychiatry Research: Neuroimaging, 191, 36-42.

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